„Wo dein Schatz ist, da wird dein Herz auch sein.“

Serguey2Es gibt wenige Persönlichkeiten im österreichischen Basketball, die so erfolgreich waren wie Sergeuei Orekhov. Gleichwohl weiß man nur wenig über den feurigen 50-Jährigen. Wir haben Fragen.

Frage: Sergeuei, deine Lebensgeschichte ist mittlerweile lang. Beginnen wir von Anfang an: Wann und wo wurdest du geboren?

Ich wurde am 4. Mai 1967 in Poltawa in der heutigen Zentralukraine, damals noch in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, geboren.

Frage: Wie bist du zum Basketballsport gekommen?

Ich war ein sehr sportliches Kind und habe viele Sachen ausprobiert. Ursprünglich war ich Eishockeyspieler, bis mich ein Trainer fürs Basketball abgeworben hat. Er hat gemeint, ich wäre sehr groß (lacht). Damals war ich 12 Jahre alt. Anschließend habe ich für zwei Jahre in der Schulmannschaft von Poltawa gespielt. Mit 14 Jahren bin ich dann aus meiner Heimat in das 350 Kilometer entfernte Kiew gegangen und habe ein Sportinternat besucht.

Frage: Wie ist dann deine weitere Karriere verlaufen?

Die Schritte zum Profi waren langsam, aber bestimmt. Mit 16 Jahren habe ich schließlich mein Debüt in der ukrainischen Bundesliga gegeben, während ich die Nachwuchsnationalmannschaften der Ukraine und der UdSSR durchlaufen bin. Mit 18 Jahren war dann der Sprung in den Erwachsenenbereich endgültig geschafft.

Frage: Wie war deine Zeit als Spieler?

Lass es mich so sagen: Erfolge gab es, soweit das Auge reicht. Wo soll ich beginnen? Ich spielte für sämtliche Glamourclubs in Kiew, wurde zigmal Meister und Cupsieger und wurde mit meinen Nationalmannschaften Vizeeuropameister und Sechster bei der Weltmeisterschaft – ich blicke mit Dankbarkeit zurück, deshalb habe ich auch bis zu meinem Wechsel ins Ausland immer für die Bezirksmannschaft meiner Heimatstadt Poltawa gespielt. Leider ist mein erster Nachwuchstrainer bereits verstorben. Doping, um deine Frage vorwegzunehmen, hat es jedoch nie gegeben!

Frage: Stimmt die Legende, dass du aufgrund Erfolglosigkeit nach Afghanistan gekommen bist?

Nein. Ja, ich war in Afghanistan als Soldat stationiert, aber damals musste jeder zum Bundesheer. 1985, da war ich 18 Jahre alt, bin ich – wie alle anderen in meinem Alter – für zwei Jahre eingerückt. Ich möchte aber nicht weiter darüber sprechen.

Frage: Warst du vor dem Fall des Eisernen Vorhangs mal im Westen?

Ja, sicher! Das erste Mal in Österreich war ich 1986. Und rate mal, wo? In Gmunden (lacht herzhaft).

Der Fall des Kommunismus und der UdSSR kam für uns alle aus heiterem Himmel. Viele sind daraufhin aus wirtschaftlichen Gründen in den Westen gegangen. 1992 kamen schließlich die ersten Angebote für mich herein, aus Nürnberg, Bayern, aber auch aus Österreich. An Österreich hatte ich aber davor nicht einmal im Entferntesten gedacht!

Eigentlich gab das Management meines damaligen Klubs aus, dass nur die älteren Spieler wechseln durften. Aber dann wurde so viel Ablöse gezahlt, eines kam zum anderen und dank eines Mittelsmanns, einem Journalisten für eine französische Zeitung, war ich dann in Österreich auf Probetrainings. Ich war in Gmunden, in Wels, aber auch in St. Pölten, wo ich überzeugt haben dürfte: 24 Stunden später lag der Vertrag unterschriftsreif auf dem Tisch.

Frage: Du warst dann 24 Jahre alt. Wie ging es dann weiter?

Einfach zusammengefasst: Success, Success, Success. Aber lass mich über meine Karriere als Trainer sprechen, das ist viel spannender.

Bitte.

Die Idee, Trainer zu werden, ist in mir bereits als Spieler gereift. Kinder trainieren zu wollen, unter anderem meine Tochter, war mir schon früh in meinem Leben klar. Was mir aufgefallen ist: Dort, wo ich weggegangen bin, ist es immer nach unten gegangen. In meinen 26 Jahren ist mir Österreich als zweite Heimat richtig ans Herz gewachsen. Jedoch gilt: Wo du geboren bist, dort ist deine Heimat. Wo dein Schatz ist, da wird dein Herz auch sein.

Frage: Wie bist du schließlich beim BBC Tulln gelandet?

Das ist Obmann Christian Kern zu verdanken. Er kannte mich schon einige Zeit und hat mich dann als Trainer verpflichtet. Ich habe zu dem Zeitpunkt schon viel Erfahrung gehabt, viele Mannschaften trainiert. Wir werden immer Freunde sein.

Frage: Von wann bis wann warst du in der Blumenstadt?

2009-2017, die meiste Zeit über habe ich ältere Nachwuchsmannschaften und die Herren 1 trainiert. Man muss aber sagen, dass ich zwei Jahre davon nichts zu tun hatte, außer den verpflichtenden Schiedsrichter für Tulln zu stellen. Ich bin zufrieden mit dieser Zeit in meinem Leben, es war eine gute Erfahrung. Ich habe gute Leute kennengelernt. Ich wünsche der Rosenstadt nur das Beste und wünsche ihr aus ganzem Herzen, dass professionell gearbeitet wird. Erfolg wächst nur auf Basis harter Arbeit.

Frage: Was machst du jetzt?

Ich bin jetzt in Gmünd und trainiere die Landesligamannschaft. Meinen Lebensmittelpunkt habe ich nach Klein-Pöchlarn verlagert.

Frage: Abschließend noch: Wie sieht es mit der Karriere deiner Tochter aus?

Ich bin sehr stolz auf sie. Sie wurde zwar in der Ukraine geboren, hat es jedoch als Österreicherin in die WNBA geschafft. Sie ist dann jedoch schwanger geworden und wohnt mit ihrem Mann mittlerweile in Deutschland. Ich habe ihr bereits als kleines Kind vermittelt, dass für den Erfolg harte Arbeit unerlässlich ist. Meine Ex-Frau und ich haben ihr Zeit gelassen, waren uns in diesem Punkt aber immer einig. Und der Erfolg kam. Mittlerweile bin ich aber, seit gut einem Jahr, stolzer Opa!

Sergeuei Orekhov (*4. Mai 1967 in Poltawa, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik), blickt zurück auf 50 Jahre, die er stets dem Basketball gewidmet hat. In seiner Freizeit geht der Niederösterreicher gerne fischen und „macht das, was mir gefällt.“

 

 

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