„Man ist sich bewusst, dass die ganze Nation hinter einem steht“

Das Interview des Monats Juni steht im Zeichen zweier Männer, die mit eisernem Willen, Geschicklichkeit und Mut Beeindruckendes vollbracht haben: Alexander „Schwager“ Schwaiger und Simon König haben in den letzten Monaten ihren Zivildienst im Ausland absolviert, Schwaiger in Riga (Lettland), König in Budapest (Ungarn). Inwiefern sie diese Zeit geprägt hat und wie sie dies in der neuen Saison aufs Basketballparkett projizieren wollen, erzählen sie im sympathischen Doppelinterview.SimonSchwaga

Frage: Wisst ihr noch, wie ein Basketball aussieht?

Schwager: Puh, da muss ich überlegen.

König: Ungefähr.

Frage: Schwager du bist ja schon seit gut drei Wochen wieder in Österreich, wie war es für dich, nach so langer Zeit zum BBC zurückzukehren?

Schwager: Ich habe mich sofort wie zu Hause gefühlt. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich viel verändert hat.

Frage: Aber beginnen wir von Anfang an: Viele wissen ja gar nicht, dass man den Zivildienst auch im Ausland ableisten kann, als eine der wenigen wurdet ihr in den erlauchten Kreis ausgewählt – wie habt ihr euch dabei gefühlt, die Blumenstadt Tulln und die gesamte Republik im Ausland zu vertreten und zu wissen, dass ihr das Aushängeschild einer ganzen Nation seid? War euch das bewusst?

König: Das ist eine sehr gute Frage. Man ist sich natürlich schon bewusst, dass die ganze Nation hinter einem steht und man eine große Verantwortung trägt, aber ab einem gewissen Zeitpunkt denkt man nicht mehr daran und versucht, seinen Job so gut wie möglich zu machen.

Schwager: Im alltäglichen Leben denkt man nicht darüber nach, bei speziellen Veranstaltungen weiß man aber, dass man sich benehmen sollte. Die Tatsache, dass der damalige Außenminister Kurz die österreichische Botschaft in Lettland kurz vor meiner Ankunft schloss, hat den Druck aber nicht erhöht.

Frage: Sicherlich hat euch die große Verantwortung, im Ausland monatelang auf euch allein gestellt zu sein, enorm reifen lassen. Habt ihr sonst noch den Eindruck, euch verändert zu haben?

König: Auf jeden Fall, ich bin viel weltoffener und neugieriger geworden. Außerdem fällt es mir jetzt leichter, neue Menschen kennenzulernen. Ich bin letzten September bei Antritt meines Auslandszivildiensts ins kalte Wasser geworfen worden und es war nicht immer einfach; ich musste bügeln, Dinge reparieren etc. – man muss, vereinfacht gesagt, das Leben „handeln“.

Schwager: Ich kann Simon nur in allen Punkten zustimmen. Man lernt, wie man Verantwortung übernimmt und selber seine Entscheidungen trifft und die Verantwortung für die daraus resultierenden Konsequenzen übernimmt.

Frage: Aber unsere LeserInnen wollen auch hinter die Kulissen blicken. Erzählt kurz vom Alltag in euren Wahlheimaten. Wie habt ihr gelebt, was waren eure Aufgaben? Ist sich, unter all dem Druck, vielleicht auch mal die ein oder andere Party ausgegangen?

Schwager: Ich habe fünf Mal die Woche von 10 bis 17 Uhr in zwei verschiedenen Museen gearbeitet, dort habe ich oft Führungen auf Deutsch und auf Englisch gegeben. Nur wenige Gehminuten davon entfernt lebte ich in einer Wohngemeinschaft, gemeinsam mit einem Franzosen, einem Sachsen und einem Schweden. An den Wochenenden war ich oft auf Partys und bin mit meinen neuen Freunden durchs Baltikum gereist.

König: Ich habe immer montags bis donnerstags für  einen Verein gearbeitet,  der sich für die Rechte von Sinti und Roma einsetzt. Wenn ich frei hatte,  war ich viel auf Reisen und habe Osteuropa erkundet. Sehr selten ging sich auch die ein oder andere Party aus, diese fielen jedoch extrem zurückhaltend aus, denn ich musste mich auf die Arbeit konzentrieren. Mehr als zwei Radler waren eigentlich nicht zu verantworten.

Frage: Nicht nur unser fantastischer Reporter hat euch beide im Ausland aufgesucht, sondern ihr beide habt euch auch untereinander  besucht. Hattet ihr dabei den Eindruck, dass einer von euch beiden mit seiner Destination das bessere Los gezogen hat?

Schwager: Ich würde mich im Nachhinein sofort wieder für Riga entscheiden. Nicht nur die Stadt hat mich fasziniert, auch die Arbeit war sehr erfüllend. Sie stellte für mich keinen Zwang dar, ich habe sie gern gemacht. Dort waren auch meine Freunde, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe.

Aber es war kalt.

Schwager: Teilweise.

König: Naja, als ich im Mai in Riga aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich mich gefühlt wie ein Eis am Stiel. Budapest war daher definitiv die bessere Entscheidung.

Frage: Was wird euch besonders gut in Erinnerung bleiben? Was war euer Tiefpunkt, beziehungsweise euer traurigstes Erlebnis? Hattet ihr zu irgendeinem Zeitpunkt Heimweh?

König: Meine Reise nach Rumänien im Frühjahr war sicher das Highlight des Jahres. In einer Gruppe von sieben Leuten sind wir ans Schwarze Meer und nach Bukarest gefahren und waren auf einem Musikfestival; das hat uns als Freunde zusammengeschweißt.  Es ist traurig, so viele Menschen in Ungarn zurücklassen zu müssen. Heimweh hatte ich überhaupt nicht, ich hätte noch länger in Budapest bleiben können.

Schwager: Eines von vielen großartigen Erlebnissen war meine Reise nach Lappland. Mein definitiver Tiefpunkt war die emotionale und tränenreiche Verabschiedung von meinen Freunden. Ich habe Wochen gebraucht, um das zu verarbeiten und bin immer noch nicht darüber hinweg.

Frage: Dass ihr zwischenmenschlich einen blendeten Eindruck hinterlassen habt, steht außer Frage. Aber wart ihr auch sportlich aktiv? Habt ihr die Fahnen des BBC auch in der Fremde hochgehalten?

König: Ich war oft Streetball spielen, wenn das Wetter gut war. Einem Verein bin ich nicht beigetreten.

Schwager: Ich war im August und September Streetball spielen. Über den Winter bin ich nur ins Fitnessstudio gegangen, die Witterungsbedingungen haben nichts anderes zugelassen.

Frage: Zweifelsohne seid ihr zwei ganz heiße Zukunftsaktien des BBC Tulln, manche würden gar vom jugendlichen „Silbergeschirr“ des Vereins sprechen, das man unter keinen Umständen verscherbeln darf. Wie lauten eure sportlichen Pläne für die Zukunft?

König: Großartiges Wortspiel: „Verscherbeln“ – wirklich gut. Ich weiß es noch nicht genau, ich gehe vorläufig nach Tulln zurück, da werde ich sicher wieder im Verein aktiv werden, aber ich möchte so schnell wie möglich nach Wien ziehen. Ab diesem Zeitpunkt ist logischerweise alles ungewiss. Ob ich nächste Saison Herren 1 oder Herren 2 spiele, weiß ich noch nicht, da habe ich mich noch nicht informiert.

Schwager: Über den Sommer werde ich versuchen, meine sportlichen Defizite aufzuholen und mit unserem Star Alexander Hubalik trainieren gehen. Für die nächste Saison werde ich vermutlich für die Herren 2 spielen, aber bei den Herren 1 mittrainieren. Ich sehe mich nicht in der Lage, diese Mannschaft zu verstärken und will sie in ihrer Entwicklung nicht zurückhalten.

Frage: Simon, dein spontaner Auftritt Ende November bei einem U-19 Spiel bei einem deiner raren Heimatbesuche im November wird wohl allen unvergessen bleiben und galt als irrsinnige Loyalitätsbekundung gegenüber dem Verein. Wir alle wissen, wie sehr du deiner Heimat verbunden bist, würdest du sogar so weit gehen, und dich als „Mr. BBC Tulln“ bezeichnen? Kommt für dich überhaupt ein anderer Verein in deiner Karriere in Frage? 

König: Ja, würde ich. Prinzipiell nicht, für die Chicago Bulls würde ich aber trotzdem spielen. (lacht dröhnend)

Frage: Habt ihr im Vergleich zu früher große Veränderungen im Verein und in der Rosenstadt bemerkt?

Schwager: Obwohl Bernhard Migas den Verein verlassen hat, habe ich keine Veränderungen bemerkt.  Baulich hat sich n der Blumenstadt viel getan, die Donaulände wurde neugestaltet und ein modernes Hotel in der Innenstadt eröffnet.

König: Ich komme erst nächste Woche wieder nach Hause, kann also die Situation noch nicht beurteilen.

Frage: Über welche Person aus dem Verein freut ihr euch am meisten, sie nun wieder regelmäßig zu sehen?

Schwager: Alexander Hubalik.

König: Helga Heinl.

Frage: Leute die euch kennen, wissen, dass ihr nicht nur auf, sondern auch neben dem Parkett zu Großem berufen seid. Was plant ihr nun als nächsten Schritt in eurem Leben?

König: Ich werde ab Oktober entweder technische Physik studieren oder ich werde Lkw-Fahrer. Ich könnte zwar Hautkrebs bekommen, aber das wäre mir egal. Ich bin kein Mensch, der weit in die Zukunft schaut.

Schwager: Ich will Wirtschaftsmathematik studieren.

Fragen: Meine Herren, ich wünsche euch einen schönen Sommer. Was habt ihr vor? Nicht vergessen, Anfang September findet wieder der traditionelle BBC-Heuriger im Schubertpark statt!

König: Ja, stimmt. Da wird der Sturm nur so fließen. Die restlichen Wochen werde ich viel reisen.

Schwager: Ich werde über die Sommermonate viel trainieren.

 

Alexander Schwaiger (*5.12.1997 in Tulln an der Donau) verbreitet bereits seit seiner Geburt auf dem Basketballcourt Angst und Schrecken. Der 1,98 m-Hüne ist begnadeter Mathematiker und seit seinem einjährigen Aufenthalt in Riga Experten in Sachen Baltikum. Für den zukünftigen Star-Center der Zentralniederösterreicher kommt nur der BBC in Frage:“Ich liebe diesen Verein!“

 

Simon König (*3.7.1998 in Tulln an der Donau) ist wohl mit das größte Basketballtalent, welches die Rosenstadt in ihrer Geschichte hervorgebracht hat. Der begeisterte Hobbyarchäologe dribbelt den Spalding seit Volksschulzeiten für den BBC. Über 20 Sprachen beherrscht der 18-Jährige, darunter Farsi, Hindu, Klingonisch und sogar Deutsch. Zu Schulzeiten zählte zu seinen Lieblingsfächern Alte Runen, Kräuterkunde und Verteidigung gegen die dunklen Künste.

 

 

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