„Frauenquote? Als Frau muss man etwas leisten können.“

Teil 6 der Serie „Interview des Monats“. Anlässlich der Gartenbaumesse in Tulln ist die Organisatorin des parallel dazu stattfindenden BBC-Heurigers im Schubertpark, Sandra Strohofer zu Gast. Seit 2014 spielt die 21-jährige Augenweide auf der Position des Small Forward für die Rosenstadt. Ein Gespräch über starke Frauen, Feminismus im Tullnerfeld und das anstehende Jahreshighlight für den BBC.

Frage: Verfolgst Du die im Vierwochentakt stattfindenden „Interviews des Monats“?sandra2

Auf jeden Fall! Ich fand sie bisher sehr informativ und unterhaltend.

Frage:…dann wird Dir vielleicht aufgefallen sein, dass schon einmal, und zwar im Gespräch mit Walter Schlesinger, das Thema „Frauen beim BBC Tulln“ aufgegriffen wurde…

(lacht) Das ist mir aufgefallen, ja. Ich habe es interessiert gelesen, aber der Absatz war im Großen und Ganzen nicht sonderlich ergiebig.

Frage: Nichtsdestotrotz ist, gerade in  Österreich, der Basketballsport eine Männerdomäne. Warum ist das so?

Gute Frage. Ich könnte mir vorstellen, dass Geschlechterstereotype eine große Rolle spielen könnten. Wenn eine Mutter, die nie Basketball gespielt hat, für ihre Tochter die Wahl zwischen Musikunterricht und Basketball hat, wohin wird sie sie wohl schicken? Das ist bei Burschen anders.  Ich glaube, dass da festgefahrene Geschlechterbilder eine große Rolle spielen, obwohl das viele abstreiten. Meine Tochter wird auf jeden Fall Basketball spielen.

Frage: Aber das Thema ist ja nicht nur im Basketball aktuell. Wie könnte man Frauen dazu motivieren, sich mehr in Sportvereinen zu engagieren? Vielleicht hilft dein Beispiel als starke, emanzipierte Frau, die vorangeht, wie du als Organisatorin des Heurigens beweist.

Ich hoffe, dass ich ein Vorbild sein kann! Gerade für Mädchen möchte ich vorangehen und zeigen, dass man auch als Frau Erfolg im Sport haben kann. Vielleicht hilft es auch, dass der Verein mit Marlies nun auch einen weiblichen Coach hat. Ich fand super, dass beim diesjährigen Sommercamp ein Mädchen da war, dass zu seinem Hobby gestanden ist, das hat mich beeindruckt. Es benötigt dringend mehr davon.

Frage: Denkst du, dass Erfolge wie der der österreichischen Frauen bei der Fußball-EM diesen Sommer in den Niederlanden sportübergreifend Frauen dabei helfen kann?

Auf jeden Fall! Fußball und Frauen wurden schon oft belächelt – als Frau muss man sich schnell bewähren, und wenn man die Chance auf Aufmerksamkeit einmal vergibt, kommt sie nicht mehr so schnell. So traurig es auch klingen mag.

Frage: Manche deiner Kritiker sagen, dass auch du nur dabei bist, weil du mit einem der wohl momentan besten Spieler des Landes – Michael Kausl – zusammen bist. Was entgegnest du ihnen?

Sicher hab ich wegen ihm begonnen, aber auch die anderen Frauen im Verein haben viel dazu beigetragen, dass ich mich wohlgefühlt hab. Mein erster Gedanke war: Ich und Basketball? Oh Gott. Aber die anderen haben mir geholfen, mich gut zu integrieren. Einmal war ich mit Walter Schlesinger und Günther Schubert in der Halle, der mir die korrekte Wurftechnik beigebracht haben – ein prägender Moment, als ich mitbekommen habe, dass sie mir etwas beibringen wollten!

Frage: Würdest du dich jedenfalls als Feministin bezeichnen? Gerade in einer liberaleren Gegend wie Tulln polarisiert man mit diesem Begriff vielleicht etwas weniger als im Vergleich zu anderen Teilen der stockkonservativen Republik…

Ja sicher. Wäre es schön, eine stabile Damenmannschaft aufzubauen? Auf jeden Fall, aber es braucht dazu mehr engagierte Frauen. Chrisi, Kerstin etc., die noch vor ein paar Jahren da waren, fehlen leider schmerzhaft. Warum funktioniert es im Tullner Handball so gut? Wir müssen viel mehr Werbung machen und bereits in frühester Jugend ansetzen.

Frage: Bist du für Frauenquoten?

Tendenziell ja. Es braucht aber in unserer Gesellschaft ein viel stärkeres Frauenbild, das sich nicht selbst ständig in der Opferrolle sieht. Einfach nur zu sagen ich bin weiblich und bekomme eine Position? Das ist zu wenig. Karriere und Familie sind auch nur beschränkt vereinbar – Schuster, bleib bei deinen Leisten! Wenn du als Frau drei Jahre nicht im Job bist – was sich da alles ändert, unvorstellbar.

Frage: Aber sprechen wir über etwas anderes: Das Gartenbaumessewochenende steht vor der Tür und damit auch das wichtigste Wochenende des Jahres für die Blumenmetropole. Als Hauptorganisatorin des Heurigers musst du den Überblick behalten. Denkst du, der Verein kann den fünf Tagen optimistisch entgegenblicken?

Organisatorisch wird alles passen, da bin ich mir ganz sicher. Es ist alles geplant und gekauft. Das Wetter bereitet mir aber Bauchweh. Sollte der Heurigen heuer nicht so gut besucht sein, dann wird es wohl den Witterungsbedingungen geschuldet sein! Ein großes Lob möchte ich auf diesem Weg auch meinem Freund, Michael Kausl erteilen, der mich bisher sehr gut unterstützt hat.

Frage: Worauf darf man sich besonders freuen?

Auf Donnerstag, Sonntag und Montag, denn da bin ich Kellnerin. (lacht dröhnend) Am Samstag ist es immer schön, mit dem Feuerwerk und Musik. Mitternachtseinlage wird es keine geben. (lacht unkontrolliert)

Frage: Bereust du es rückblickend, so viel Verantwortung übernommen zu haben?

Nein, Michi hat mir, wie gesagt, sehr geholfen und war ein guter Assistent. Es ist ja für den Verein, da muss man Verantwortung übernehmen.

Frage: In welche Richtung entwickelt sich der BBC momentan deiner Meinung nach?

Er geht in eine blendende Richtung. Wir konnten den Abgang von Bernhard gut verarbeiten und die Arbeit hat sich auf viele Schultern verteilt. Die Mitgliedszahlen steigen stetig – alles tiptop! Die Neuen muss man aber eng an den BBC binden und gut einteilen, sodass der Betrieb immer professioneller werden kann!

Frage: Reden wir zum Schluss noch über die kommende Spielzeit 17/18. Deine sportliche Qualität ist unumstritten. Gemeinsam mit Steinböck & Co. bist du das Aushängeschild des weiblichen Basketballports in Zentralniederösterreich. Welche sportlichen Ziele hast du für die nähere Zukunft?

Es wird eine Mixed-Mannschaft geben. Eine Kooperation mit Hollabrunn hat nicht geklappt, also werden wir nicht in den heurigen Ligabetrieb einsteigen.

Frage: In welchen Bereichen möchtest du dich individuell noch verbessern? In Kürze brechen ja die Jahre in deinem Leben an, die manche ja als die „beste Zeit“ im Leben eines Sportlers bezeichnen.

In Allem! Wenn wer Tipps für mich hat, ich bin sehr offen. Stolz bin ich auf meine C-Lizenz als Trainerin.

Frage: Gibt es etwas, das du zum Schluss noch sagen willst?

Danke an alle, die sich so sehr beim Kultklub aus der Blumenstadt engagieren!

Sandra Strohofer (*26.01.1996 in Wien) wuchs im ruhigen Ried am Riederberg auf. Der Small Forward geht in seiner Freizeit gerne in den Prater und macht Ausflüge. Strohofer absolvierte eine Handelsakademie (HAK), die sie 2015 mit Matura ins Leben entließ.

Copyright © 2013 BBC-Tulln. All rights reserved.
Designed by Theme Junkie. Powered by WordPress.